Belichtungszeit in der Astrofotografie – Chemisch

Erst einmal sei gesagt das sich die Astrofotografie sehr von der „normalen“ Fotografie unterscheidet. Was jedem sofort ins Auge springen sollte sind die Belichtungszeiten die teilweise bis zu einer Stunde reichen können. Aber das ist nur einer der Unterschiede !

Welche Kamera eignet sich ?

Jede Mechanische Spiegelreflexkamera die den Verschluss nicht elektrisch offen halten muss. Das macht, vor allem im Winter, keine Batterie lange mit !

Belichtungsmesser wird nicht gebraucht, ausser evtl am Mond.

Fotografiert man mit normalen Objektiven muss man ebenfalls auf andere Qualitäten achten:

  • Der Fokus sollte nicht leichtgängig sein da er sich sonst über den Belichtungszeitraum gern verstellt. Hier reicht die schwerkraft bei nach Oben gerichteter Kamera über die Zeit aus !
    Hierbei verschiebt sich der Fokus nicht sehr, aber genug das die Sterne zu „Kreisen“ in Form der Blende werden.
  • Die Kamera sollte absolut fest angeschraubt sein !
  • Mit offener Blende fotografieren ist zwar schön, aber die meisten Objektive haben dort derart starke Abbildungsfehler das man später nur den mittleren Teil des Bildes nehmen kann.
  • Abblenden um mindestens 2 Blendenstufen (je nach Objektiv) = 4fache Belichtungszeit
  • Streulichtschutz anbringen, selbst noch so schwaches Restlicht gibt sonst unschöne Effekte
  • Den Streulichtschutz am besten gleich als Tauschutz ausführen, d.h. extralang ! Hierbei aufpassen das er nicht in das Bildfeld ragt.
  • Bei selbstgebautem Streulicht/Tauschutz, Innenseite mit Samt bekleben (verhindert nochmals Reflektionen)
  • Bei grösseren Teleobjektiven zum Start einer Aufnahme eine Pappe vor das Objektiv halten, den Fernauslöser betätigen und einrasten, kurz warten und dann die Pappe entfernen. Vor dem beenden der Aufnahme das ganze in Umgekehrter Reihenfolge. Grund ist der bei einigen Kameras starke mechanische Schlag beim klappen des Spiegels. Hierdurch können einzelne helle Sterne als feine Striche mit abgebildet werden
  • Gutes einnorden der Montierung für kurze Brennweiten bis 125mm, pingeliges bis 200mm. Alles darüber erforder Scheinern (oder ein Leitrohr, hier setzt dann die Bildfeldrotation die Grenze). Mit einer perfekt laufenden Montierung können auch längere Belichtungszeiten machbar sein. Hier entscheidet der Schneckenfehler der Stundenachse ! Ist die Abweichung grösser als die Kamera auflösen kann gibt es die berühmten „Eiersterne“.

Nutzt man das Teleskop als Objektiv sind folgende Dinge wichtig:

  • Sehr guter, leichtgängiger Okularauszug mit funktionierender Riegelung die nicht den Fokus beim betätigen verändert.
  • Wünschenswert ist eine Mikrofokussierung
  • Sehr stabiler Okularauszug
  • Exakt laufende Montierung für kurze Belichtungen oder Leitrohr mit Fadenkreuzokular oder Webcam/Guidingcam paralell montiert.
  • Mechanisch stabile Montierung
  • Pingeliges „einnorden“ der Montierung ! Polsucher ist hierbei schön und gut, aber reicht meiner Erfahrung nach NICHT aus!
  • je nach Brennweite setzt die Bildfeldrotation schneller ein als einem lieb ist, also gleicht auch ein Leitrohr das unsaubere Einnorden nicht aus.

Generelles das es zu beachten gilt:

  • Objektive putzen 🙂 Nicht lachen.. das ist ärgerlich..
  • vor jeder Aufnahme nach Staub/Tau auf der Linse schauen
  • Fokuslage nach einigen Bildern kontrollieren, auch wenn es dauert und nerven mag ! Schlimmer ist ein Film wo die ersten 3 Bilder toll sind und der Rest unscharf weil man faul war.
  • Den richtigen FILM wählen.

Der Film ist nun eine Glaubensfrage, generell ist es aber so das die meisten 200ASA Filme ein besseres schwarzschildverhalten haben als 400ASA Filme. Oder kurz gesagt, bei einer 10 Minuten belichtung ist der 200ASA Film für die folgenden 10 minuten empfindlicher als der 400 ASA Film. Im endeffekt zeigt also der unempfindlichere Film dann mehr als der eigentlich empfindlichere.
Dia oder Farbnegativ ? Ausprobieren ! Funktionieren tut beides.

Eine auswahl an Filmen hatte ich im letzten Artikel schon gegeben:

  • Fuji Superia 200 (schlechte Rotempfindlickeit)
  • Kodak Supra 200
  • Kodak E 200
  • Fuji Provia F

Ausprobiert habe ich sie alle, die besten Ergebnisse allerdings erziehlt mit dem Kodak E200. Das heisst nicht das die andere Filme schlechter waren, nur das ich bei den anderen Filmen leider Pech hatte mit fehlerhafter einnordung(Strichspuren), der Fokus daneben lag oder eben doch Schleierwolken da waren die ich nicht gesehen habe.

Meine Erfolgsquote ist bisher nur mit einem Wort zu beschreiben: mies. Das  einzige wirklich als gelungen zu bezeichnende Bild ist von NGC7000, aber auch hier musste ich nachbearbeiten!

NGC 7000 auf Kodak E-200 Belichtungszeit müsste um die 20 Minuten gelegen haben

und wie man sieht strotzt das Bild nur so von Fehlern !

  • Blaue Ringe um helle Sterne -> Objektiv hat einen Farbfehler
  • Strichspuren -> mangelnde einnordung
  • Eiersterne -> Schneckenfehler
  • ungleichmässige ausleuchtung inkl. Farbverschiebung

Entstanden ist das Bild ohne Nachführkontrolle auf einer EQ-3, Objektiv müsste ein 200mm Nikon gewesen sein. Mir sind leider die Originaldaten abhanden gekommen, aber bei diesem Film hatte ich das erste mal mit abblenden um 1-2 Stufen experimentiert und wie man sieht sogar halbwegs den Fokus getroffen.
Ohne Nachbearbeitung am Computer wäre das Bild allerdings sehr, sehr schwach gewesen da gnadenlos unterbelichtet !

Die EQ-3 ist allerdings, zugegebenermaßen, nicht so wirklich tauglich für die Astrofotografie. Oft starker Schneckenfehler (mit 32 Bogensekunden bestimmt und sehr ruppig) und die Original Schrittmotorsteuerung ist zur korrektur von Langzeitbelichtungen nicht ausgelegt (minimale Korrekturgeschwindigkeit 1x).

 

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