Was ist für wenig Geld Unterwasser Fototechnisch möglich ?

Was ich mit damit hervorgebracht habe :

Closeup bei Tag, nur mit natürlichem Licht
Closeup bei Tag, nur mit natürlichem Licht
Nachtaufnahme. Licht stammt von einer simplen Spot-Tauchlampe (1 Led, nix dolles) mit einer Plastik Einkaufstüte als Diffusor
Nachtaufnahme. Licht stammt von einer simplen Spot-Tauchlampe (1 Led, nix dolles) mit einer Plastik Einkaufstüte als Diffusor

Jeder der jetzt noch interessiert ist, darf weiterlesen. Alle anderen natürlich auch 😉

Lange habe ich mir die Frage gestellt was „LowBudget Unterwasser Fotografie“ denn eigentlich ist. Erst einmal sollte jeder für sich klären wieviel dieses „wenig“ denn ist. Fotografieren ist nicht billig, Unterwasser wird es schnell enorm teuer. Je billiger desto schlechter heisst es, und natürlich trifft das auch zu. Wichtiger als der Preis des Equipments ist allerdings der eigene Anspruch und Wissenstand.

In meinem Fall ist es als bisher reiner Urlaubstaucher mit maximal drei Tauchurlauben im Jahr leider so das ich das ganze Equipment nicht so oft benutzen kann und deswegen schied eine Lösung mit Kompaktkamera und Blitz(en) aus. Hier liegt man locker bei > 2000€, das ist mir für 3x im Jahr einfach zuviel.

Was also ist mein „wenig“-Budget ? Unter 150€.

Auf der Boot 2015 kam mir dann ein Zufall zuhilfe, Rollei hat Handy UW-Gehäuse geradezu verschleudert. 40m Tauchtiefe, ordentlich verarbeitet und der Preis lag damals noch bei ~ 120€(viel zu viel) und für die Messe dann 10€. Gut ein altes S3 lag noch in der Schublade und war schon so „verrammelt“ das verkaufen keine Option mehr war, also was soll schon passieren ? Entweder es taugt etwas oder eben nicht, wenn es absäuft ist es auch nicht anders als wenn es noch ein Jahr in der Schublade liegt und dann wegfliegt. Also wurde das Gehäuse gekauft.

Es handelt sich hierbei um das Rolleimarin S3/s4 Gehäuse. Aktuell unter 40€ zu haben. Nicht ganz der Messepreis, aber durchaus ok. Gibt z.B. bei Amazon : Rolleimarin S3/S4 UW-Gehäuse

Fragt mich bitte nicht warum das schwarze Gehäuse deutlich teurer ist.. mein ist gelb 😉

Meine Lampe fürs Filmen ist leider abgesoffen, deswegen sind alle Bilder am Tag ohne Licht entstanden.

Bau des Tauchtrays

Die Kamera nur in die Hand nehmen, das geht aber da ich mit der GoPro auch noch filmen möchte (und hey mit dem Handy geht das doch auch ;)) wollte ich das ganze gescheit montieren das ich mit beiden Händen zupacken kann.

Ein Besuch im Baumarkt und 1 Stück 6mm dickes Alu und 2 Neopren Fahrradgriffe später ging es in die Werktstatt und eine Stunde später kam das hier heraus :

BILD KOMMT HEUTE ABEND !

Der Test im Roten Meer hat gezeigt : Funktioniert wunderbar, sowohl Filmen als auch Fotografieren.

UW Fotografie mit dem Handy

Wie funktioniert das ganze nun mit dem Handy so Unterwasser ? Nun, es schwankt zwischen : „Ganz gut“ und „WTF ?!….“

Warum ?

Unterwasser könnt Ihr nur eins : Bild machen. Einstellungen anpassen ? Geht nicht.

Bedienbar ist nur : Home-Button, Button für den Mittleren Schnellstart der zugleich auch der Auslöser ist. Fini.

Deswegen muss man auf einige Punkte achten.

Checkliste vor dem Tauchgang

1. Belichtungskorrektur… In hellen Gewässern auf -1, besser -2.

2. Bildqualität auf das Maximum setzen.

3. Bei anderen als den standard apps (z.B. Focal) auf jeden Fall richtig konfigurieren (sonst geht unterwasser nichts !)

4. Vor dem Tauchen per tap den Fokuspunkt setzen…

5. Der Autofokus ist langsam ! Geduld !

6. Vorsichtshalber vor dem Tauchgang Handy neustarten und anschliessend die Einstellungen prüfen (Google Kamera App „vergisst“ die Belichtungskorrektur)

7. O-Ring prüfen/säubern/fetten vor dem schliessen

8. Hometaste testen, Kamerastart testen, Testbild machen !

9. Wenn gerade nicht fotografiert wird : Hometaste drücken, die Kamera-App saugt den Akku leer..

10. Bildschirmhelligkeit einstellen ( recht hoch)

11. Bildschirmsperre deaktivieren !

Ab ins Wasser

Hier gelten die gleichen Regeln wie bei jeder Kamera auch, zusätzlich gibts aber noch ein paar Einschränkungen (die  auch auf günstige Kompakte zutreffen)

– Der Dynamikumfang ist gering. Helle Wasseroberfläche, gegenlichtfotografie ist teilweise Problematisch. (hier hilft die Belichtungskorrektur -2)

– Auf den Autofokus achten

– Bildränder nicht für Motive nutzen, die sind nicht so scharf

– Auslöseverzögerung ist hoch

Bilder nachbearbeiten

Tja und hier trifft der „Low Budget Hammer“. Und zwar so richtig. Einfache Kamera, kein Licht, irgendwo musste ja ein Haken sein.

Leider liegt er genau hier. Um die Farben wieder hinzubekommen muss man leider tricksen (Oder doch lieber den Rotfilter ? Entscheide selbst : Sinn und Unsinn von Rotfiltern beim Tauchen).

Licht aka. „Ich mag nicht so viel nachbearbeiten und möchte trotzdem Rot“

Hier kann man mit einer Videolampe nachhelfen. Ja, Videolampen sind nicht so effektiv wie ein Blitz zum Fotografieren (einen Blitz ans Handy zu bekommen könnte interessant werden) aber einfacher im Einsatz. Ob das noch die persönliche „Low Budget“ Variante passt musst, wiedermal, du selbst entscheiden.

Günstig ist nicht immer gut, und Licht ersetzt man am besten durch (viel) mehr Licht. Besonders in den sehr hellen Meeren (Rotes Meer z.B.) kann man garnicht genug Licht mitnehmen. Gute und helle Unterwasserlampen sind leider nicht billig, zu den günstigen weiter unten mehr.

Light & Motion ist hier bekannt, z.b mit der Sola Video 1200 SF oder der leistungsstärkeren Sola Video 2100 SF für ~600 bzw. ~ 700€.

Alternativ kommt die MOLI 1600R3 in Frage. Für 600€ (bzw 450 für die schwächere Variante) bekommt man hier eine durchdachte und nahezu wartungsfreie Lampe. Leicht, Flutstrahler, Punktstrahler, dimmbar, klein,…

 

Lowbudget Licht

Das ist nun eher mein Bereich. Auch wenn im Endeffekt zwei Moli’s bei mir einziehen sollen habe ich den Versuch mit einer Chinesischen Lampe gewagt. Wie am Anfang schon geschrieben hat sich in diesen Versuch etwas Salzwasser eingeschlichen..

Die Lampe ist allerdings reperabel, neue Elektronik & Led für unter 20€. Neupreis der Lampe inkl. Versand 46 $.
Funktioniert anschliessend alles habe ich eine wirklich helle (~ 2000 Lumen) Lampe für vergleichsweise wenig Geld.

Allerdings sollte sich jeder für der den Direktimport in Frage kommt schon einmal gedanklich darauf einstellen das Basteln unausweichlich sein könnte. O-Ringe tauschen ist in meinen Augen Pflicht, einen habe ich nicht getauscht weil sich die Lampe hier nicht öffnen liess und das hat schon gereicht.

Teurer, aber nicht so teuer wie die Topmodelle kommt man natürlich mit Lampen wie der RIFF TL-WW (TL-WW oder TL-WW 2 ) oder der RIFF D-11 (~150€) oder RIFF D-32 (~300€). Hier merkt man das bei den aus China stammenden „billig“ Lampen von RIFF der Preissprung zu den etablierten Marken garnicht mehr so groß ist. Der Helligkeitsunterschied dafür schon, und vom Support möchte ich lieber garnicht erst reden. Wer’s nicht glaubt, am besten auf der Boot testen !

Natürlich gibt es noch viele andere Lampen, aber die Auswahl an bezahlbaren, leuchtstarken Lampen ist recht übersichtlich.

Evtl. Interessant sind die Lampen von Diving Torches (Italien) zu beziehen über http://www.diving-torches.com/ . Sah auf der Boot gut aus, sind nur leider nicht so leicht wie eine Moli. Dafür gibts den 6500 Lumen Strahler (Wird die Herstellerangabe für die LED sein, also je nach Qualität der Elektronik ~ 5000 Lumen) für unter 600€ (Powerpro 6500 Superwide). Mit rund 1kg Gesamtgewicht (mehr als 4x so viel wie eine Moli) nicht unbedingt etwas für eine Flugreise.

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